Schadstoffbelastung bei Möbeln prüfen: Material, Siegel, Geruch
Wer ein neues Sofa, einen Schrank oder ein Bett kauft, verbringt anschließend viele Stunden in unmittelbarer Nähe dieser Möbel. Formaldehyd, flüchtige organische Verbindungen (VOC), Weichmacher oder Biozide können aus Spanplatten, Lacken, Klebstoffen und Textilien austreten und die Raumluft über Monate belasten. Besonders problematisch sind billige Pressspanmöbel mit hohem Leimanteil sowie Polstermöbel mit schaumstoffgefüllten Sitzflächen, die gegen Schimmel und Motten behandelt wurden. Ein gezielter Blick auf Material und Verarbeitung vor dem Kauf erspart später Kopfschmerzen.
Massivholz aus heimischen Wäldern, geölt oder mit Wasserlack behandelt, gilt als unkritisch. Bei Plattenwerkstoffen zählt die Emissionsklasse: E1 ist heute Standard, doch viele Hersteller werben mit E0 oder dem strengeren Blauer Engel, der zusätzlich Lösemittel und Biozide ausschließt. Das RAL-Gütezeichen „Goldenes M“ kennzeichnet schadstoffgeprüfte Polstermöbel, während der OEKO-TEX Standard 100 bei Textilien verlässlich Auskunft gibt. Wer unsicher ist, ob neue Möbel riechen und was dieser Geruch bedeutet, findet in diesem Beitrag über Möbel mit Phasenwechselmaterial zusätzliche Hinweise zu Materialien, die das Raumklima aktiv beeinflussen. Diese Siegel ersetzen zwar keine Messung, grenzen die Auswahl aber deutlich ein.
Der Geruchstest im Laden ist die einfachste Vorprüfung. Riecht ein Möbelstück stechend, nach Kleber oder chemisch süßlich, ist Vorsicht angebracht. Ein dumpfer, modriger Geruch deutet auf Feuchtigkeit oder Schimmel im Material hin. Testen lässt sich das nur, indem man die Tür eines Schranks öffnet, an einer Schublade riecht oder die Unterseite eines Sofas prüft – dort entweichen die Emissionen am stärksten. Wer empfindlich reagiert, sollte nach dem Betreten des Ausstellungsraums auf Augenreizungen, Kratzen im Hals oder Kopfschmerz achten. Solche Reaktionen sind ein deutliches Warnsignal, auch wenn das Möbel optisch einwandfrei wirkt.
Vor dem Kauf lohnt es sich, beim Händler nach technischen Datenblättern zu fragen, konkret nach Emissionsprüfberichten und Angaben zu Leim und Lack. Fehlen diese Unterlagen, ist das kein gutes Zeichen. Nach dem Aufbau sollten neue Möbel zwei bis vier Wochen täglich gelüftet werden, am besten mit weit geöffneten Fenstern und Querströmung. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt die Raumluft nach dem Kauf von einem Fachlabor auf Formaldehyd und VOC untersuchen. Die Kosten liegen meist zwischen 100 und 300 Euro und geben verlässliche Gewissheit, ob die eigenen vier Wände tatsächlich unbedenklich sind.