Latentwärmespeicher in der Wand: stabile Raumtemperatur
Latentwärmespeicher nutzen den Phasenwechsel eines Materials, meist Paraffin oder Salzhydrat, um Wärme bei nahezu konstanter Temperatur aufzunehmen und wieder abzugeben. In einer Wand eingebettet, wirken sie wie ein thermischer Puffer: Steigt die Raumtemperatur über den Schmelzpunkt, schmilzt das Material und entzieht der Luft Wärme. Sinkt die Temperatur später, erstarrt es wieder und gibt die gespeicherte Wärme zurück. Der Effekt ist deutlich stärker als bei reiner sensibler Speicherung, weil die latente Wärme pro Kilogramm Material ein Vielfaches der fühlbaren Wärme beträgt.
Für die Integration in Wände eignen sich mikroverkapselte Phasenwechselmaterialien, die direkt in Gipskartonplatten, Lehmputz oder Betonfertigteile eingemischt werden. Entscheidend sind die Lage im Bauteil und die Anbindung an die Raumluft. Eine Speicherschicht nahe der Oberfläche reagiert schneller auf Temperaturschwankungen, kann aber weniger Wärme über längere Zeiträume abgeben. Wer die Wirkung auch in Möbeln und anderen Bauteilen nutzen möchte, findet unter Phasenwechsel-Materialien in Möbeln konkrete Beispiele für Schränke, Sitzbänke und Wandpaneele. Dort wird erklärt, wie sich die Speicherkapazität auf den Raum verteilt und welche Materialkombinationen sich in der Praxis bewährt haben.
Die Temperaturstabilisierung zeigt sich vor allem in Räumen mit starken internen oder solaren Lastspitzen. Tagsüber verschiebt der Speicher die Wärmeaufnahme, nachts gibt er sie verzögert ab. Das reduziert die Amplitude der Raumtemperatur um mehrere Kelvin und verringert die Zahl der Stunden, in denen gekühlt oder geheizt werden muss. Voraussetzung ist eine ausreichende Speichermasse und eine gute Wärmeübertragung zwischen Wand und Luft. Eine Dämmung auf der Außenseite verbessert die Wirksamkeit, weil die gespeicherte Wärme dann nicht nach außen abfließt.
Planer sollten den Schmelzpunkt des Materials auf das gewünschte Komfortband abstimmen, typischerweise zwischen 22 und 26 Grad Celsius für Wohnräume. Zu hoch gewählt, reagiert der Speicher erst bei Temperaturen, die bereits als unangenehm gelten. Zu niedrig gewählt, schmilzt er schon bei normaler Raumwärme und verliert seinen Puffereffekt. In Kombination mit Nachtlüftung oder einer Flächenkühlung lässt sich die gespeicherte Wärme gezielt abführen. Die Investition amortisiert sich nicht über eingesparte Energie allein, sondern über den gewonnenen Komfort und die geringere Belastung der Heizungs- und Kühltechnik.